Jinotega, Nicaragua

Meine Wahlheimat fuer ein Jahr ist seit Mitte August 2008 das Provinzhauptstädtchen Jinotega der gleichnamigen Provinz im hohen und bergigen Norden Nicaraguas. Vor meiner Abreise wurde ich immer wieder gefragt, wo das eigentlich ist. Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse auftreten: Ganz ehrlich, bevor klar war, dass ich meinen Freiwilligendienst in Nicaragua leisten würde, wusste ich es auch nicht. Ich wusste es vage Lateinamerika und dem mittelamerikansichen Raum zuzuordnen. Dass in dem Land erst seit wenigen Jahren nach einem brutalen Bürgerkrieg der Frieden eingekehrt war, war mir genauso wenig bewusst wie, dass es als das zweitärmste Land Lateinamerikas nach Haiti gilt.

Ich glaube jeder hat schon mal was von „Ach wie schön ist Panama“, dem Panamakanal und überhaupt Panama als das südichste Land Mittelamerikas gehört?! Nördlich von Panama liegt Costa Rica und dann folgt auch schon Nicaragua. Das Land kommt trotz Unmengen von Entwicklungshilfe (Deutschland zahlt den größten Anteil Entwicklungshilfe an Nicaragua) und vielseitiger Unterstützung wirtschaftlich nicht auf einen grünen Zweig. Nach langen Jahren der Diktatur des Somoza-Clans, dem es zum Preis der Freiheit gelang, Nicaragua zu ein bisschen Wohlstand zu verhelfen, herrscht nun Demokratie und Armut. Eine richtige Oberschicht tritt kaum in Erscheinung; wenn doch, erscheint der Kontrast um so heftiger! Nicaragua hat eine bewegt Geschichte, die nicht erst mit der Conquista der Spanier beginnt. Ich habe kürzlich mit meiner Gastmutter darüber gesprochen und auch über die Vergangenheit Deutschlands. Sie sagt es ist eine traurige Geschichte, die Geschichte Nicaraguas, womit sie wohl mehr als Recht hat.

Nicaraguas Flagge mit Wappen

Nicaragua ist ein sehr vielseitiges Land. Nicht nur die Landschaft, die hier von weiten Flachlandebenen über wunderbares Bergland, die während der Regenzeit im europäischen Sommer in ein saftiges Grün getaucht sind, bis hin zu 2 Ozeanküsten und 2 riesigen Binnenseen reicht, sondern auch klimatisch und geologisch hat Nicaragua viel Variation zu bieten. Klimatisch betrachtet ist es für einen gemässigte-Klimazonen-Verwöhnten Deustchen wohl überall warm, wobei es in Orten wie Managua einfach zu (!) warm ist. Dennoch sind die Unterschiede schon ziemlich deutlich zu merken sobald man sich aus den Bergen in die flacheren Gefilde oder sogar an die Küste begibt. Nicaragua beherbegt zahlreiche Vulkane, viele davon sind noch aktiv oder sogar wie der bei Masaya dauerhaft aktiv mit einem offenen Lavasee. Ausserdem liegt das Land an der Grenze zweier tektonischer Platten, was zum einen die vielen Vulkane erklärt aber auch die Gefahr von Erdbeben birgt. Das letzte verheerende Erdbeben zu Beginn der 70er Jahre hat Managua in Schutt und Asche gelegt. Als Land, das an die Karibik grenzt ist Nicaragua außerdem Hurricane gefährdet, wobei bisher (Mitte September) nicht mehr als ein kräftiger Schauer und Gewitter von den vielen Stürmen, die die letzten Wochen großen Schaden in der Karibik angerichtet haben, zu merken war. Das darf meinetwegen auch so bleiben. Wenn die Leute hier über Hurricanes reden, sprechen sie meist von Hurricane Mitch, der 1998 die Ostküste schwer getroffen hat.

Jinotega von oben

Jinotega von oben

Ich lebe nun schon seit fast einem Monat in Jinotega. Die Stadt ist, im Gegensatz zur Hauptstadt Managua, „wunderschön“ viel gelassener. Alles geht hier etwas ruhiger zu, keine Hektik und viel Fröhlichkeit, wobei es gerade auch hier viel Armut, Arbeitslosigkeit, Dreck und Müll gibt. Die Atmosphäre der Stadt hat es mir angetan, sodass ich mich nach längeren Ausflügen darauf freue wieder „nach Hause“ zu kommen. Außerdem gibt es hier so gut wie keinen Tourismus, was der Stadt zwar ganz gut tun würde (aus finanziellen Gründen), was ich aber auch sehr genieße. Außer einem Kreuz hoch oben über der Stadt, dem Peña de la Cruz, und einer verhältnismässig grossen Kathedrale kann die Stadt nicht viel Touristisches bieten.

Insgesamt ist die Stadt mit 55.000 Einwohnern (laut Wikipedia) eher ländlich geprägt. Sobald man sich ein bisschen außerhalb der Stadt umtut, landet man zwangsläufig in „der Pampa“, wobei „die Pampa“ hier sehr schön ist: Die Stadt ist von Bergen, die von dichtem Regenwald bzw Wolkenwald überwuchert werden, umgeben. Im Norden liegt ein großer Stausee und Richtung Süden gelangt man über eine einzigartige Bergpiste in die nächstgroessere Stadt Matagalpa.

Fuer mehr Inofmationen, insbesondere auch zur Geschichte Nicaraguas, bitte ich euch das Internet oder ein Lexikon anzustrengen. Es lohnt sich!

Karte Nicaraguas

Karte Nicaraguas

Advertisements

Responses

  1. hey rune!!!

    hört sich alles sehr interessant an!!!

    wünsch dir noch viel spass in deiner neuen heimat!!!

    gruss malte

  2. Hallo Malte,

    zunächst einmal herzliche Grüße aus Stuttgart!

    auf der Suche nach ein paar Informationen über Jinotega, begegnete ich im Internet Deinem wundervollen Block. ..Na wenn das keine Infos sind… also erst mal großes Kompliment!
    Hoffe sehr Du kannst die restlichen paar Wochen von Deinem Aufenthalt noch sehr genießen und leben. Auf dass Dir diese Erfahrung lange und lebendig erhalten bleibe!

    Und ein Anliegen habe ich noch:
    Plane im nächsten halben Jahr in Jinotega und Matagalpa für drei Jahre zu arbeiten.
    Werde meine zwei schulpflichtigen Söhne 12+15 im Schlepptau dabei haben.

    Kannst Du mir etwas über die Schulmöglichkeiten
    in dieser Gegend berichten? Oder weißt Du über welche Datenbanken man auf Adressen staatlicher und nichtstaatlicher Bildungseinrichtungen in Nicaragua bzw. Jinotega und Matagalpa kommen kann?

    Freue mich auf Antwort, falls Dir da was einfallen täte.
    Recht herzlichen Dank und eine weiterhin gute Zeit!
    Liebe Grüße

    Inge


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: