Verfasst von: cartanica | Oktober 30, 2008

Tag 1 – 3: Managua und Volcan Masaya

Nachdem bereits in der Woche vor unserer Abreise nicht mehr alles so rund lief wie zuvor, wir Termine nicht wahrnehmen konnten, der Regen uns reihenweise Striche durch die Rechnungen mit unserem Reisegepaeck machte und irgendwie nichts so klappte wie es sollte, fiel unser urspruenglicher Plan, am Samstag schon nach 2  gegebenen Englischklassen in der Fundadora wieder nach Jinotega zurueckzukehren um dort mit Leuten von der Arbeit nach Managua zu fahren, natuerlich auch ins Wasser. Also blieben wir (wir = mein Compadre Nick und die spanische Studentin Marina, die uns den letzten Monat bei der Arbeit begleitet hat) den Samstag morgen, nachdem wir uns widerwillig um halb 6 aus dem Bett geerpelt hatten, um die anderen Lehrer der Fundadora zu treffen, noch in Jinotega und warteten auf die Mitfahrgelegenheit. Die Mitfahrgelegenheit stellte sich jedoch als ein offenbar nur fuer uns organisierter Fahrer, der uns ganz bis nach Managua kutschierte, heraus. Na ja, ich will mich nicht beschweren…

Beine hochlegen und geniessen

Beine hochlegen und geniessen

Wir genossen die Fahrt nicht ganz regenfrei hauptsaechlich auf der Ladeflaeche des Pick-Ups, doesten so gut es eben ging an die Rucksaecke gelehnt vor uns hin und ich blickte in den Himmel, liess die Wolken an mir vorbei ziehen und genoss die wenigen Sonnenstrahlen, die uns vergoennt wurden. Da die Fahrt rund 3 Stunden dauert, es bereits frueher Nachmittag war und die Ladeflaeche zu klein fuer ein Bistro ist, haben wir uns etwas improvisierte und im Fahrtwind nicht ganz leicht zu praeparierende Sandwiches gemacht – geschmeckt haben sie auf jeden Fall. Kurz vor Managua begann es Bindfaeden zu regnen (sehr lange Bindfaeden!), sodass wir uns ins Innere der Camioneta verkrochen und den sintflutartigen Wassermassen, die durch die Strassen Managuas flossen, aus dem Trockenen zu sahen.

 

In Managua wurden wir direkt vor der Bude unserer Freunde Jakob und Anna, die uns stets Obdach bieten, im Barrio Linda Vista im Westen der Stadt abgesetzt. Noch am selben Abend, nachdem wir gemeinsam selbstgemachte Guacamole (ich hab die Zwiebeln geschnitten, waehrend meine Traenendruesen am Limit gearbeitet haben) gegessen haben, fuellte sich der Tisch schnell mit weiteren Gaesten, deutschen Freiwilligen aus der Umgebung und proportional dazu mit „Toña“-flaschen und „Flor de Caña“-buddeln (Bierflasche und Buddel Rum, richtig?). In den fruehen Morgenstunden endete fuer uns Tag 1 unserer neuntaegigen Reise.  

Tag 2 begann im Gegensatz zu Tag 1 schon deutlich „urlaubiger“ und entspannter mit einem spaeten Fruehstueck. Dieses Fruehstueck muss ich an dieser Stelle besonders hervorheben: Wir assen Toastbrot (frisch getoastet, keine Selbstverstaendlichkeit wenn man normalerweise  in Jinotega fruehstueckt) mit Aufstrich (!) und Cornflakes (!!) – so satt war ich schon lange nicht mehr morgens. Dafuer liess uns der Wasserdruck im Stich und wir begaben uns nach einer eher halbherzigen Katzenwaesche unter fisseligem „Wasserstrahl“ auf den Weg zum ersten Programmpunkt: Vólcan Masaya. Der Vulkan liegt im gleichnamigen Nationalpark und liegt etwas suedlich von Managua, also gut mit Bus zu erreichen. Da der Weg vom Eingang des Nationalparks bis zum Gipfel lang ist, goennten wir uns neben den 4 $ Eintritt auch noch einen Chauffeur fuer einen aehnlichen Preis… Touri zu sein ist garnicht so billig. Unser Fahrer schaukelte uns den staubigen Weg durch die Mondlandschaft aus Vulkangestein und darueber wuchernden trockenen

blic vom gipfel auf das "Wartezimmer des Teufels"

Blick vom Gipfel auf das "Wartezimmer des Teufels"

Gewaechsen bis zum Parkplatz direkt an der Abbruchkante zum Krater. Das besondere an diesem Vulkan ist, dass einer der Krater dauerhauft aktiv ist und eine gewaltige Wolke aus Schwefelgasen (das sagt die Wissenschaft, ich bin schwer davon ueberzeugt, dass der Teufel Blaehungen hat) aus dem Loch des Kraters aufsteigt. Bei Dunkelheit soll man sogar das Gluehen der Lava sehen koennen, was vermutlich auch vor mehreren hundert Jahren einen Pfarrer dazu bewogen hat „das Tor zur Hoelle“ mit einem hoelzernen Kreuz am Gipfel des aktiven Kraters zu kennzeichnen. Dieser Pfarrer ist aber nur einer der Verrueckten, die der Vulkan dazu veranlasst hat eigenartige Dinge zu tun. Ureinwohner sollen zu Ehren ihres Feuergottes Kinder und Jungfrauen in dem Vulkan geopfert haben (das hat ihn bestimmt ueberzeugt nicht auszubrechen!) und ein Kolonialist (so weit ich weiss) war der festen Ueberzeugung im Vulkan schwimme pures Gold, das er versuchte abzuschoepfen. Statt gluecklich zu sein, dass er diesen Wahnsinn ueberlebt hat, soll er auch noch enttaeuscht gewesen sein, dass sich sein Gold nach dem Abkuehlen als poroeses Gestein herausstellte. Nun ja, dumm gelaufen, aber aus Fehlern lernt man. Nicht ganz unbeeindruckt von diesen Geschichten stelzten wir einmal entlang der Abbruchkante auf den Wegen, die man als Normalsterblicher auch ohne Fuehrer begehen darf, warteten am Kreuz darauf, dass sich El Diablo mal blicken laesst (offensichtlich hatte er gerade keine Sprechstunde) und inhalierten eine gute Portion Schwefelgase, als von eben auf jetzt Wind aufkam und die Rauchwolke ueber den Parkplatz wehte. Die Aussicht von dem Gipfel aus ueber die Mondlandschaft des Nationalparks bis hin zum Lago Managua war genauso eindrucksvoll wie die Einsicht in den Vulkan.

Den Abstieg vom Vulkan begingen wir teils zu Fuss, teils auf der Ladeflaeche eines passierendes Pick-Ups und machten noch einen Abstecher ins Museum (Eintritt frei, strike!), das durchaus mit interessanten Hintergrundinformationen aufwartete. Auf den Schwingen der hereinbrechenden Nacht erreichten wir unser Obdach bei Anna und Jakob („I´m a poet and I know it!“ wusste bereits Bob Dylan). Wir beendeten den Abend mit einem weiteren Toña und wieder mit selbstgemachter Guacamole (aufgrund Annas und meinem Ideenreichtum leider etwas sehr fluessig).

Nach erholsamer Nacht standen wir am dritten Tag etwas eher auf, genossen nichtsdestotrotz wieder ein fuellendes Fruehstueck und machten uns gegen neun auf den Weg zur deutschen Botschaft um unser Jahresvisum abzuholen. Danach trennten sich der Weg von Anna und Jakob zur Arbeit und unser Weg zum Reisebuero, ueber das Marina unsere Fllugtickets ins Paradies gebucht hatte. Fuer uns drei begann an dieser Stelle eine kleine Taxiodyssee aus dem ungefaehren Zentrum Managuas (ein richtiges Zentrum gibt es nicht) ganz in den Sueden der Stadt um die Tickets zu holen und anschliessend weiter in den aeussersten Osten der Stadt zum Aeropuerto Internacional Augusto C. Sandino. Etwas verdutzt, dass nur 13 Kilo Gepaeck pro Person zu gelassen waren, packten wir vor dem Einchecken erstmal um, bzw. vom grossen in den kleinen Rucksack als Handgepaeck. Als dann jeder so más o menos seine 13 Kilomarke erreicht hatte, wurde nicht nur unser Gepaeck nochmal vom Personal gewogen, sondern auch wir durften einmal die Nadel zum Ausschlag bringen (ich hab wieder ein paar Kilos wett gemacht!). Die Warterei auf den Abflug vertrieben wir uns in der Fressecke des Flughafengebaeudes und am Bankautomaten (spannend!). Puenktlich wurden wir aus dem Wartesaal auf das Rollfeld geleitet und zu der etwas antiquiert wirkenden Propellermaschine gefuehrt. Der Fensterplatz direkt neben dem Propeller stellte sich als weniger reizvoll heraus, als zunaechst angenommen. So hatte ich gewisse Schwierigkeiten, die sowieso schon diesige Aussicht auf die unter uns vorbeiziehende Landschaft und im Anflug auf

Prrrrropeller beim Zwischenstopp in Bluefields

Prrrrropeller beim Zwischenstopp in Bluefields

Bluefields (Zwischenstopp) die weiten Sumpf- und Regenwaldgebiete, irgendwie zu geniessen, waehrend mir der Antrieb ins Ohr bruellte. Aus welchen Gruenden auch immer wurde uns ein kleiner Spaziergang auf der Landebahn des Flughafens in Bluefields, der mit Abstand der kleinste und niedlichste Flughafen ist, den ich je gesehen habe, verweigert, weswegen ich mich mit dem Ausblick aus den geoeffneten Notausgangtueren begnuegen musste. Auch gut, vor allem um schon einmal tropisches Klima zu schnuppern und endlich wieder Sonnenschein und blauen Himmel zu sehen. Nur wenige weitere „Paradiesvoegel“ stiegen in Bluefields zu (logisch, viele haetten auch nicht mehr in die kleine Maschine gepasst), bevor die Pilotin unser endgueltiges Reiseziel, die Corn Islands, ankuendigte

(Fortsetzung folgt…)

 

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Verfasst von: cartanica | Oktober 28, 2008

Zurueck!

So! Ich bin zurueck im wunderschoen verregneten Jinotega und lasse die vergangenen neun Tage noch einmal Revue passieren. Neun Tage voller neuer Eindruecke und Entdeckungen, Ooohs und Aaaahs, woooows und huuuuis, aber vor allem vielen wunderschoenen Aussichten, Stunden und Minuten, die ich in vollen Zuegen genossen habe. Wir haben uns Samstag vor einer Woche als Backpacker auf den Weg gemacht, haben unsere Reise als Touris fortgesetzt, bevor wir uns schliesslich als Weltenbummler in die Afrokaribische Kultur vertieften. Der Abschied viel uns nicht leicht, wobei wir nicht direkt den Heimweg antraten, sondern wieder ueber die Tourischiene einen weiteren abstecher machten, bevor wir als Backpacker erschoepft in die Terciera Calle del Barrio San Cristóbal in Jinotega einbogen.

Sonnenaufgang Little Corn

Let Your Soul Fly

Ich habe auf der Reise todesmutig an die Pforten der Hoelle geklopft, aber El Diablo war vermutlich gerade beschaeftigt; im Paradies hingegen wurde ich herzlich aufgenommen. Es ist wunderschoen dort, nur leider auch ein bisschen teuer. Also kehrte ich „beseelt“ und mit dem Gefuehl eine wunderbare Reise hinter mir zu haben, zurueck.

Die folgenden Tage und moeglicherweise auch Wochen moechte ich etwas detailreicher ueber meine Reise und die Erlebnisse berichten, da dies an einem Stueck vermutlich etwas lang werden wuerde, werde ich das in mehreren Etappen machen – Stueck fuer Stueck, Tag fuer Tag.

Verfasst von: cartanica | Oktober 18, 2008

Monatsbericht die Zweite

Der zweite Monat ist „schon“ um! Dios mio ging das schnell, nun denn ich wuensche euch viel Spass mit der Lektuere und freue mich auf Rueckmeldungen, Stellungnahmen und ernstgemeinte Kritik!

2. Monatsbericht

Viele Gruesse aus dem Herzen Zentralamerikas =D

Verfasst von: cartanica | Oktober 1, 2008

2 Wochen Resumée

Eigentlich ist es mal wieder Zeit fuer ein kleines Lebenszeichen aus der Ferne; aber es ist nicht ganz leicht zu sortieren, was schreibe ich hier im Blog, was schreibe ich in meinen naechsten Bericht und wovon moechte ich vllt spaeter einmal berichten?! Ich will euch schliesslich nicht langweilen.

Der letzte Eintrag liegt nun ca. 2 Wochen zurueck, in diesen 2 Wochen ist nicht viel passiert, fuer meine Verhaeltnisse jedenfalls nicht. Trotzdem will ich mal in aller Kuerze versuchen ueber die 2 Wochen zu berichten. Wir waren seit unserem Auslfug nach Estelí und ins Miraflor Naturreservat nicht mehr laenger unterwegs, haben nun den Einsteig beim Englischunterrichten gefunden und ich schlage mich gerade mit Magen Darm #2 herum. So langsam nimmt die Gewoehung krassere Formen an, was mir heute aufgefallen ist, als ich total desinteressiert den Kolibri, der mich ein kurzen Stueck auf dem Weg zur Arbeit begleitet hat, beobachtet habe und nicht gleich die Kamera gezueckt habe um dieses lustige Viech dokumentarisch festzuhalten; ich dachte mir noch, haette sich eh nicht gelohnt, da die Voegel normalerweise viel zu flott wieder verschwinden, dieser aber nicht, jetzt aerger ich mich, dass ich kein foto gemacht habe. Ausserdem habe ich mich am vergangenen Samstag mit einem Briten und einem Ami, die etwas planlos durch das Fastfoodrestaurant unseres Vertrauens, „El Tico“, eierten versucht zu unterhalten. „Versucht“, weil mir langsam aber sicher das fluessige Englischsprechen floeten geht und wir uns aus einem wilden Misch-Masch aus Englisch und Spanisch unterhalten haben. Verrueckt irgendwie.

Wenn ich so in meinem kleinen Notizbuechlein blaetere und lese, was die vergangenen Tage so passiert ist, dann sind das vor allem zwei ganz besondere Momente, von denen es lohnt zu schreiben. Letzten Freitag abend waren wir bei Carmen, dem (!!!) Besitzer der Pulpe unseres Vertrauens, mit dem wir auch morgens zum Kicken gehen (a prospos, ich hab kuerzlich mein erstes Tor erzielt =D). Dort haben wir in seiner Butze gehockt und Schach gezockt, bis die Koepfe qualmten. Es war klasse Abend mit ihm und seiner Familie (Frau und Tochter), sowie einem non-Stop lachenden Freund und Manschaftsgenossen von Carmen und Nick dort zu sitzen, zu quatschen, zu lachen und einfach die Herzlichkeit zu geniessen. Es faellt mir schwer die Atmosphaere so wiederzugeben wie sie tatsaechlich war. Der zweite „Moment“ fand am vergangen Sonntag statt, als wir mit der FubaMannschaft, zumindest mit einigen, nach einem gewonnen Spiel auf den Weg zu einem Fluss in der Naehe von San Marcos, ein absolutes Kuhkaff, das aber immerhin eine eigene Kathedrale hat.

Der Felsen war doch einladender als das Wasser

Der Felsen war doch einladender als das Wasser

Auch wenn das Wasser nicht grade einladend war, vergnuegten sich die Nicas allesamt in dem „Mini-Canyon“, in dem auch zahlreiche Kids ihren Badespass hatten, nicht zu letzt, weil das Wasser tief genug war um hineinzuspringen. Im nachhinein bin ich sehr gluecklich, dass ich mitgefahren bin, denn auch wenn die meisten Jungs nur Chicas und Alkohol beschaeftigt, war es ein schoener wenn auch primitiver Nachmittag. Die Rueckfahrt hat es fast die ganze Zeit geregnet und wir musst die Camioneta ein ums andere mal anschieben, um unsere Rueckkehr nach Jinotega zu gewaehrleisten.

Wer braucht schon Allradantrieb, wenn man schon 6 Anschieber auf der Ladeflaeche hat?!

Wer braucht schon Allradantrieb, wenn man 6 Anschieber auf der Ladeflaeche hat?!

So ungefaehr muss man sich das vorstellen!

DieLadflaeche waere mit den 6 Schiebenden (der rote Schieber bin uebrigens ich) eigentlich schon voll (wenn sie grade nicht schieben, vertseht sich), viel mehr Spass macht es natuerlich wenn man zu 9 oder 10 auf der Ladflaeche hockt, sich die Beinfreiheit gegen nada bewegt und man jedes Schlagloch kraeftig in der Steissbeinregion zu spueren bekommt. Aber ich will nicht jammern, sogar die Regenfahrt hatte auf ihre art etwas Besonderes.

Ein weiteres nicht zu verschweigendes Ereignis: Ich habe kuerzlich auf einer Erkundungstour ueber den Markt, der doch groesser ist, als zunaechst angenommen (man muss nur den falschen Weg nehmen, dann findet man das ganz flott heraus), eine Decke gekauft, dessen Muster zwar vielleicht ein bisschen unmodern wirken mag, die sich aber unheimlich erfrischend auf das Raumklima in unserem Zimmer auswirkt und die Monotonie betongrauer und kahler Waende zu kontrastieren vermag. Der eigentlich Sinn, der sich hinter dieser Decke verbirgt ist folgender: Ich moechte an diese Decke alle moeglichen Dinge (Fotos, Briefe, Karten, … ) aus der Heimat bzw auch von hier haengen. Die Sicherheitsnadeln, die ich dafuer brauche, muss ich allerdings erst besorgen, deshalb haengt noch nichts, ausser die Decke selber, die ich mit Naegeln an der Zimmerdecke fixiert habe. Davon einmal abgesehen, brauche ich auch noch Material. Wenn das jetzt kein Wink mit dem Zaunpfahl war, weiss ich auch nicht…

mi manta de memoria

mi manta de memoria

Ich hoffe niemanden mit dieser unterschwelligen Aufforderung vor den Kopf zu stossen, aber ich wuerde mich natuerlich sehr ueber Post freuen, mit oder ohne Decke… Liebe Gruesse aus dem fernen Nicaragua!

Verfasst von: cartanica | September 24, 2008

número uno

Nach 5 einhalb Wochen, die ich mittlerweile hier in Nicaragua rumkrebse, ist endlich der erste Monatsbericht fertig geworden. Zwar ein bisschen verspaetet, dafuer aber stattliche 11 Seiten lang und hoffentlich sehr informativ. Mit einem Klick auf den Link unten seid ihr dabei!

1. Monatsbericht

Und nun wuensche ich euch viel Vergnuegen bei der Lektuere.

Verfasst von: cartanica | September 17, 2008

Planlos nach Estelí und Miraflor

Heute ist Mittwoch, seit gestern bin ich von einem 3 taegigen Trip im Norden Nicaraguas zurueck. Am 15. September ist hier in Nicaragua Nationalfeiertag, der uns ein langes Wochenende + einen Ferientag beschert hat.

Ziemlich planlos, mit dem blossen Gedanken mit unserem Mitfreiwilligen aus Managua nach Estelí zu fahren und spaeter dann weiter nach Miraflor, haben wir uns am Sonntag nach ausgestanderer Krankheit auf den Weg gemacht. Samstag abend noch schnell die sieben Sachen, die dann doch wieder deutlich mehr wurden und im Endeffekt den Anschein erwecken konnten, wir seien fuer eine Woche unterwegs, gepackt und frueh schlafen gegangen um am Morgen des 14. frueh aufzubrechen. Wie ueblich haben wir erstmal versucht einen Ride nach Matagalpa zu bekommen; keine gute Idee, denn an einem Sonntag, der noch dazu landesweit ein Feiertag ist, der offensichtlich auch mit viel Ramba Zamba bedacht wird, fahren einfach nicht viele solche Strecken. Na ja, dann eben per Bus, was durchaus entspannend sein kann, wenn man einen Sitzplatz hat (mehr dazu spaeter!). Ab Matagalpa reisten wir per Anhalter; zu erst weiter nach Sébaco, wo wir uns urspruenglich mit dem Freund aus Managua treffen wollten. Schon dort war die Panamericana mit Menschenmassen, die sich eine Parade (?!) ansahen, verstopft, was unsere Erfolgsquote beim „Per-Anhalter-Reisen“ nicht unbedingt verbesserte, denn Wagen die nach Estelí fuhren, haetten an dem Getuemmel vorbei gemusst. Wie auch immer; wir gingen also schwerbeladen mit unseren „7 Sachen“ richtung Ortsausgang und weiter durch die Ebene in der Sébaco liegt auf die Berge zu, in dessen Taelern Estelí liegt; immer entlang der Panamericana. Kurz bevor wir verzweifelt in einen der passierenden Busse gestiegen waeren, hat uns dann ein gutmuetiger Nica auf der Ladeflaeche seines Pick-ups mitgenommen und am am noerdlichen Ende Estelís schliesslich absitzen lassen.

Strange Baeume In den Strassen Estelis

Strange Baeume In den Strassen Estelís

Im Zentrum Estelís fand, wie zu erwarten war, ebenfalls eine Parade (?!) statt und der Poebel draengte sich im Parque Central und auf den Strassen der Innenstadt. Wenig spaeter zeugte von all dem nur noch ein gewaltiges Mass an Muell auf den Strassen der Stadt von den Feierlichkeiten. Im Parque Central trafen wir unseren Mitfreiwilligen aus Managua und beratschlagten ueber weiteres Vorgehen. Dies fand zunaechst mal in einem Burgerimbiss statt. Nachdem wir dort „gemuetlich“ bei Burger und Cola, Enge und Geraeuschpegel hoch drei ausfuehrlich die Reisefuehrer gewaelzt haben und ein passables Hospedaje fuer die Nacht ausfindig gemacht haben, kehrten wir dort fuer simple 100 Córdobas (etwas mehr als 5 Dollar) die Nacht ein. Anschliessend wagten wir uns zurueck zum Parque Central und der sehr huebschen Kathedrale zurueck um noch ein bisschen „Estelí-Luft“ zu schnuppern.

La Catedral

Abendbrot gab es in einem Comedor in der Naehe des Hospendajes… (man sagt es gaebe dort eine Gang, die nachts ihr Unwesen treibe… huuuh!). Es gab „Schwein mit Gemuese“, das einzige auf der Karte, was ich einwandfrei identifizieren konnte. Tatsaechlich war es dann doch aber eher „Gemuese mit Schwein“, was dem Geschmack aber keinen Abbruch tat.

Am naechsten Morgen, Montag, riss mich der Handywecker schon um viertel vor 5 aus den Traeumen und schickte mich in die „Raeumlichkeiten der aquarellen (Verun-)Reinigung“. Kurz nach Sonnenaufgang standen wir gestiefelt und gespornt (eigentlich weder noch, selbst die Wanderschuhe habe ich erst spaeter auf dem Weg angezogen) und hochmotiviert an der Bushaltestelle hinter der nur vage eine Strasse zwischen all den Schlagloechern, die Richtung Norden fuehrten, auszumachen war. Der Bus war (natuerlich) schon voll, sodass wir nachdem wir schon ca eine 3/4 Stunde auf den Bus gewartet hatten, nochmal 1 1/2 Stunden stehend und schaukelnd, mit den Nicas kuschelnd verbrachten. Am Eingang zum Miraflor Naturreservat wurden wir schliesslich herausgebeten und machten uns auf den steinigen Weg ins Innere des Reservats. Und jetzt kann man streiten, ob es Glueck oder einfach ganz normal fuer Reisen in Nicaragua ist: Auf dem Weg trafen wir eine junge franzoesische Studentin, die sich bereits mit einer Einheimischen kurzgeschlossen hatte und die uns, der Franzoesin, sowie uns eine Bleibe vermittelte. spaeter stellte sich heraus, dass sie die Tochter einer der Bauern war, der auf seiner Finca Reisende beherbergt.

Die Finca war schlicht, unsere Schlafraeume einfach und ein Klo nur in Form einer Latrine im Garten der Finca vorhanden. Fliessend Wasser gab es genauso wenig wie Strom. Vor 2 Monaten sicherlich noch unvorstellbar fuer mich, heute eigentlich halb so wild, geht eben nicht anders; und die Erfahrung war es alle mal wert.

Nach einem reichhaltigen (warmen) Fruehstueck fuehrte uns eine andere Tochter des Hauses gute 3 1/2 Stunden ueber Stock und Stein, durch Wiesen und Waelder, an einem Wasserfall und einem klasse Aussichtspunkt vorbei. Auch wenn wir so bloss eine der drei Zonen des Miraflor, die „dry Low-Levels“ (so mein Reisefuehrer), kennenlernten, hat sich die Investition von 5 Dollar gelohnt. Ziemlich geplaettet wurden wir mittags wieder reichhaltig und warm versorgt und taten etwas fuer die deutsch-franzoesische Verstaendigung, allerdings auf Spanisch; klappt auch ganz gut! Am Nachmittag machten wir uns diesmal ohne Fuehrer und auch nur noch zu dritt auf den Weg zu einer zweiten Runde, vorbei an der hochgepriesenen Laguna de Miraflor, die sich als sumpfiger Teich entpuppte. Weiter fuehrte uns der Weg in waldigere Bereiche und vor allem ueber matschige, nein schlammige bzw. eigentlich schon fast aufgeloeste Wege, die wir zum Teil umgehen mussten in dem wir auf den deutlich trockeneren Feldern der Campesinos wanderten.

"Baumfreie Schneise"

Weg waere uebertrieben: "Baumfreie Schneise"

2 Mal nahm uns ein Pick-up ein kleines Stueck mit, besser so, denn sonst haetten wir es wohl kaum puenktlich mit dem einsetzenden Regen zur Dunkelheit geschafft die Finca zu erreichen. Nach Sonnenuntergang ist es echt finster dort draussen. Im schummrigen Licht einer Energiesparlampe, die von einer Autobatterie betrieben wurde, assen wir unser Abendessen (reichhaltig und warm, versteht sich). Noch beim Essen unterhielten wir uns mit einem Bewohner der Finca, der uns gerne Auskunft ueber eventuelle Ziele fuer den naechsten Morgen gab und der sich gerne anhoerte, was uns in die Verlassenheit der laendlichen Gebiete trieb. Ausserdem sagte er, dass wir den Tag so um die 25 Kilometer gewandert sein muessten (hoppla, soviel?!). Nach einem kurzen Chillout in der Haengematte fiel ich geplaettet wie schon lange nicht mehr „unter das Moskitonetz“…. in mein Bett!

Am naechsten Morgen kroch ich ein bisschen verknittert aus den Federn (die Matratze war seeehr hart!) auf die Latrine und schliesslich unter die verdammt schweinekalte Dusche. Das Fruehstueck (reichhaltig und warm, ihr kennt das ja) vertrieb die letzten „Knitterfalten“ (es gab Pancakes mit Bananen und eigenartigem Sirup, so lecker!). Regen hielt uns ab noch eine kleine Runde vor der Abreise zu drehen, also packten wir unsere Sachen und marschierten zur Bushaltestelle, an der wir auch angekommen waren. Die Wartezeit vertrieben wir uns mit Lauschen und Motorengearaeuschdeuten (Motorrad, Bus oder Pick-up). Eigentlich ganz einfach, denn Busse hoert man schon eine Viertelstunde, bevor sie ueberhaupt in Sicht kommen (dazu spaeter mehr!); nicht zuletzt wegen ihrer Hupe, die eher einem Schiffshorn gleicht, die aber trotzdem bei jeder Gelegenheit und Nichtgelegenheit eingesetzt wird (egal, speater mehr dazu!!).

Die Busfahrt war hoellisch! Unsere Rucksaecke reistten getrennt von uns auf dem Dach zwischen saeckeweise Gemuese, Fruechten und sonstigem Frachtgut, sowie auch einem Sack Knochen, der zu dem Nica neben uns gehoerte, der tierisch nach Schweiss stank. Wie auch immer, so „kuschelten“ wir wieder, diesmal noch enger als auf der Hinfahrt, mit ein paar Nicas und sogen beduerftig die frische Luft ein, die jedes mal in den Bus stroemte, wenn der „Emergency Exit“ zum Ein- und Aussteigen genutzt wurde. Geraedert von der schlechten Luft und von „dem Schlagloch“ purzelten wir in Estelí aus dem Bus in die Hitze der Mittagssonne. Nachdem wir unseren Comparde aus Managua an der Bustation verabschiedet hatten wanderten wir weiter Richtung suedlichen Ortsausgang, von wo aus wir per Anhalter unsere Heimreise fortsetzten.

Flatbed Ride, im Vordergrund Rucksack und mein Bein

Flatbed Ride, im Vordergrund Rucksack und mein Bein

Von Sébaco nach Matagalpa wurden wir auf einem kleinen Flatbed mitgenommen, also auf einer Ladeflaeche ohne nennenswerte Begrenzung, abenteuerlich aber nicht unangenehm; bis auf die engeren Kurven, in denen der Fahrer wie auch die uebrige Strecke ordentlich auf die Tube drueckte. Der Beifahrer ist Amerikaner und moechte Deutschland kennenlernen, ich hab ihm meine Emailadresse gegeben und bin mal gespannt, ob „John“ sich melden wird. Durch Matagalpa und den relativ steilen Weg einen Berg hinauf, den wir sonst immer zu Fuss bestritten, liessen wir uns im Taxi chauffieren. Dort mussten wir zwar notgedrungen eine kleine Pause einlegen, hatten dafuer aber das Glueck, dass uns ein Freund der Cheffin der Cuculmeca mitfahren liess; als es zu regnen begann sogar im Inneren seines Pick-ups.

Das letzte Stueck durch Jinotega liefen wir in stroemendem Regen und klopften schliesslich triefnass zu Hause an. Es war schoen nach Hause zu kommen!

Verfasst von: cartanica | September 12, 2008

Pollo Frito

Heute ist Freitag und so langsam aber sicher neigt sich meine vierte Woche in Jinotega dem Ende entgegen. Der Grund, warum ich das so hervorhebe ist nicht der, dass ich hir schon begonnen habe die Tage zu zaehlen, nein, eher, dass ich diese Woche so más o menos im Bett oder temporaer auch mal auf dem Balken verbracht habe. Und heute ist der erste Tag seit einer knappen Woche mit Magen-Darm-Infektion an dem ich recht unbeschwert durch die Strassen Jinotegas wandele. Davon mal abgesehen fuehle ich mich noch ein wenig wackelig auf den Beinen und habe das Gefuehl noch nicht wieder ganz auf dem Dampfer zu sein; wie auch, gestern lag ich schliesslich noch mit Bauchkraempfen im Bett.

Der Uebeltaeter verbirgt sich vermutlich hinter dem Gericht, dessen Name hier als Titel fungiert! Pollo Frito heisst auf deutsch fritiertes Haehnchen, schmeckt eigentlich ganz gut ist aber fuer so einen waschlappigen deutschen Magen, der nichts gewoehnt ist, einfach zuviel des Guten. Dummerweise wusste ich auch vorher nicht, dass das Haehnchen, das uebrigens nicht mal ausgewachsen war, dafuer aber am Stueck inklusive ein paar Knochen serviert wurde, vor dem Friteusengang nicht gekocht wurde… und daran moecht‘ ’s gelegen haben. Jetzt bin ich vorsichtiger; ausser bei dem Essen was mir Gastmutter Gioconda serviert, das schmeckt sagenhaft und wird mich sicherlich bald wieder in meine Hosen passen lassen, die im Moment ein bisschen schlotterig „auf“ der Huefte haengen. Bei dem Essen kann ich mir sicher sein, dass es gut ist!

Verfasst von: cartanica | September 6, 2008

Ein erstes Lebenszeichen

Seit nun schon fast 3 Wochen lebe und arbeite ich hier in Jinotega, Nicaragua. Es wird also hoechste Zeit, dass ich mal anfange diesen Blog aufzusiehen um euch mit Informationen zu versorgen. Ich wuerde mich sehr freuen wenn ihr ab und zu mal vorbeischaut und lest, was mich hier so umtreibt. Bisher ist leider nicht viel zu sehen, Bilder gibt es zwar viele, aber die geistern noch nicht durch das Internet.

me voy!

me voy!

Mir geht es gut hier und ich bin sehr gleucklich mich fuer Nicaragua entschieden zu haben. Das was ich hier erlebe und kennenlerne ist, soweit ich das jetzt schon beurteilen kann, wirklich die „andere“ Welt, die ich sonst nur aus Nachrichten, wenn mal wieder ein Hurrikan unterwegs ist oder wenn es im Politikunterricht um Entwicklungspolitik etc. ging. Aber die Hauptsache ist: Es kommt mir so vor, als ob ich hier 100% Nicaragua geboten bekomme.

Mir geht es gut! Die ersten Tage waren nicht ganz einfach, aber alle Probleme liessen sich bisher immer ganz gut aus der Welt schaffen. Ich hoffe, dass das auch so bleibt! Mittlerweile bin ich angekommen und mir wird langsam klar, was es bedeutet ein Jahr lang ungefaehr ein Viertel der Erde weit weg von Familie und Freunden zu leben. Ich fuehl mich in der Unterbringung in einer Gastfamilie sehr wohl und als ich vergangenes Wochenende von einem 4 Tage langen Ausflug in die Regenwaelder Matagalpas, nach Managua in die deutsche Botschaft und Pochomíl am Pazifik in meine neue Heimat Jinotega zurueckkehrte fuehlte es sich wie „nach Hause kommen“ an. Ein gutes Gefuehl mit dem ich erschoepft ins Bett gefallen bin.

Wie auch immer. Ich werde demnaechst von meinem Leben, Alltag, der Stadt und ihren Bewohnern mal ausfuehrlicher berichten und in einer Woche mit meinem ersten Monatsbericht starten.

Bis dahin, liebe Gruesse aus dem Internetcafé meines Vertrauens im Herzen Jinotegas.

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